31.07.2010

Suizidgedanken



Bevor ich hier noch länger motz',
sauf' ich der Vernunft zum Trotz
die ganze Nacht durch bis ich kotz'
und erstick dann in dem Rotz.

30.07.2010

Am Altar


Jeglicher Vernünfte bar
stehn sie droben am Altar
bringen, oh ganz wunderbar,
ihre Opfergaben dar.

Auf dass inmitten jener Schaar
derjenige gen Himmel fahr,
ja der, der vor vielen Jahr'
anscheinend mal am Leben war.

Ja nee, is klar ...


09.05.2010

Nur selten mich die Muse küsst



Nur selten mich die Muse küsst,
weil die mich scheinbar gern vergisst,
und wenn sie kommt, nur kurz verbleibt -
ganz im Gegensatz zu meinem Weib.

Die Beiden haben eins gemein:
sie haben Spaß an meinem Pein
und lassen mich just dann allein,
wenn ich verlange, zu erfreuen.

Es erscheint mir wie verzwickt:
Irgendeine immer zickt.

04.05.2010

Galgenhumor



Unwissend, wofür man ihn belang,
umgab sein Hals ein Galgenstrang.
Vermutlich ging es nicht mehr lang
bis dieser durch denselben drang.
Im Hintergrund die Meute sang.

Bestimmt lag hier ein Irrtum vor!
Denn warum man ihn dafür erkor,
ging einfach nirgendwo hervor.
Zumindest kam ihm nichts zu Ohr,
was er felsenfest beschwor.

Augenblicke lang vergingen.
Um jetzt noch Freiheit zu erringen,
müsste Gott zur Seite springen.
Von denen die am Galgen hingen,
zog sich niemand aus den Schlingen.

Sein Antlitz ward schon kreidebleich;
doch durch die Not ideenreich,
tat er Kund von jetzt auf gleich:
"Hört mal, ich bin mächtig reich!
Nehmet, bevor ich hier verbleich',
womit ich meine Schuld begleich'!"

Im Volke kehrte Stille ein.
Die Falltür zuckte unterm Bein,
durch die er stürzte wie ein Stein.
Die Meute guckte blöde drein.
"Warum", rief einer ganz allein,
"fiel ihm das nicht früher ein?"

Verfrüht man diese Frage stellte,
weil der, der grad nach unten schnellte,
sich eben nur das Steißbein prellte.
Der Strang, aus dem er sich nun schälte,
war länger, als man ihn bestellte.
Was ungemein die Stimmung hellte.

05.03.2010

Am Ziel vorbeigeschossen


Eifrig auf dem Weg zum Ei
schießt recht weit am Ziel vorbei
die Spermie aus dem Hoden
direkt auf den kalten Boden.

Dort bleibt ihr nichts als sich zu winden
und trocknend, siechend zu verschwinden.
Auf bedauerliche Weise
endet so die erste Reise.

20.02.2010

Verkettung



Auf dem Abort er verweilte,
als sich der Reissverschluß verkeilte.
Die Vorhaut sich darin verfing,
welche aus dem Schlitze hing.

Das gute Stück, nun abgedrückt,
da durch die Hose eingezwickt,
aus ebensolcher ward gequollen,
weil doppelt so groß angeschwollen.

Aprupt er sich nach vorne beugte
und den Schmerzesherd beäugte.
Den Vorsprung dabei er vergaß,
den die Wand vor ihm besaß.

Der Schädel an die Wandung stieß.
Sich diese als stabil erwies.
Die Beule, die sie ihm bescherte,
verursacht wurde durch die Härte.

Als wär's noch immer nicht genug,
in seine Hüfte wie ein Pflug,
der Griff, befestigt an der Wand,
erbarmungslos hat sich gerammt.

Die Sache wurde ihm zuviel.
Jäh' er nun zu Boden fiel.
Obwohl die Sturzhöh' eher klein,
brach er trotzdem sich das Bein.

Begünstigt durch die Seifentropfen,
die aus dem Seifenspender tropften,
er in die Pinkelrinne glitt.
Schützend seine Hand im Schritt.

Endlich schwanden ihm die Sinne.
Sein Leid gemildert in der Rinne.
Ein Rinnsal hatte ihn umspült,
als er sich nun ruhig verhielt.

Indes, er lag da nun und träumte,
Urin sich um sein Haupte säumte.
Es tat nun langsam aber sicher,
Rettung not, weil sonst verblich er.

Wenn er länger dort noch läge,
sein Puls nicht lange weiterschläge.
Eine Zelle nach der anderen,
begänne aus dem Hirn zu wandern.

Durch Zufall oder aber Glück,
die Türe offen war ein Stück.
Ein Passant, grad am Passieren,
ihn siechen sah auf allen Vieren.

So kam es, daß am End vom Lied,
der arme Tropf nicht liegen blieb.
Es war nun doch erhoffte Rettung
das letzte Glied in der Verkettung.

08.08.2008

Neulich, beim Father-Daughter-Gespräch...


Foto: Heinz Hasselberg, Steinfurt, „025 Frühstücks-Eier“, CC-Lizenz (BY 2.0)

"Oh, Dotter", sprach vom Ei das Weiß,
"so lausche, was ich dir geheiß:
ein Dotter ist vom Ei das Gelbe!
Und deshalb sind wir nicht dasselbe!

10.11.2007

Schicksalssymphonie

Ich wollte heute Mo ins Beet hoven, um mit ihm einen Mendelsohn zu zeugen. Die Nussknackersuite im Vier Jahreszeiten war allerdings schon belegt, weswegen wir uns entschieden, es im Vivaldi zu tun. Neben einem Blumen-Strauss bearbeitete ich also seine Rossini dass die Haydn wackelte. Ich legte diesesmal einen respektablen Schubert an den Tag, was Mo sehr gefiel. Er hatte es aber auch Verdi-ent. In der Nähe rauschte Die Schöne blaue Donau, die in den Schwanensee mündete. Wie Die Königin der Nacht blies Mo zart meine Zauberflöte, während eine Nachtigall ihre kleine Nachtmusik trällerte. Da Mo nicht rasiert war, kratzte sein Bartholdy ein wenig, daher forderte ich ihn auf, das nächste mal vorher zum Barbier von Sevilla zu gehen. Gemeinsam versuchten wir also unsere Offenbach-ung zu Grieg-en. Ich war kurz davor mich in einem Sturz-Bach der Emotionen zu ergießen, als uns ein vorbeiziehender Wagner namens Richard dabei störte. Er war ein Vogelhändler, der einen sterbenden Schwan bei sich hatte und in die Tschaikowsky fuhr, um dort an einem Slawischen Tanz teilzunehmen. Ich Brahms sofort meine Aktivitäten mit Mo. Wieder einmal bekamen wir es nicht ge-Händel-t, unser Menuett zu vollenden. Liszt, dachte ich, so wird das nie was mit unserem Familien-Gluck...

Schicksal™ ist ein eingetragenes Wahrzeichen des Einzelnen

23.02.2006

Rabenmutter



Es war mal eine Rabenmutter,
die gab dem Sprössling selten Futter.
Verärgert der ihr dann befohlen,
sie möge endlich Speisen holen.

Das Muttervieh im täglich Trott,
vernahm den Wunsch nicht ganz so flott
und gab ihm damit zu verstehen,
er möge selbst was holen gehen.

Der Sohnemann dem überdrüssig
empfand die Mutter überflüssig.
Auf die Rückwand ihres Kopfes
schlug er ob des leeren Topfes.

So ist das eben mit den Müttern,
sie sollten ihren Nachwuchs füttern.

20.02.2006

Gereihere



Ein Reiher übern Weiher flog,
tief Luft er in die Nase sog,
und - so fest ein Reiher kann -
so fest zu reihern er begann.

28.01.2006

Des Künstlers Hirngespinst

Dichter gern mit ihrer Kunst
buhlen um des Lesers Gunst.
So sei bemerkt, dass viele Künste
sind oft nicht mehr als Hirngespinste.

15.01.2006

Personen sind in den Geschichten

Personen sind in den Geschichten
nur erfunden - so zum Dichten
oder haben ungebeten
den Boden meiner Welt betreten.